U

nfall… mein Leben damit / mein Zugang zum Leben

Hatte nie Probleme vom Hergang wie es zu meiner Arm-Amputation kam zu erzählen, wenn ich danach gefragt wurde.
Klar – kurz nach dem Unfall ist man noch eher unsicher, denn man weiß ja selbst auch noch nicht, wie man nach so einem einschneidenden Erlebnis im Leben damit umgeht und auch nicht wie andere auf mich reagieren.
Jetzt sitze ich jedoch hier vorm Bildschirm und habe vor, dieses Ereignis etwas detaillierter zu schildern und in Worte zu fassen, um es nachher in die Online-Welt zu geben.
Sehr verständlich für mich, dass Leute da draußen, welche nicht wissen wie ich meinen Arm verloren habe, es gerne wissen möchte.

Schreibe jetzt einfach spontan/direkt „drauf“ los, ohne großartig darüber nachzudenken…

Jänner 2003 …

Kurz und direkt: Mir ist der Zug über den linken Arm (Ellbogen)am Bahnhof Wörgl gerollt. Da konnte nichts mehr „gerettet“ werden und der Arm musste mir in der Klinik Innsbruck amputiert werden!
Wie kann denn sowas passieren, hmm?! … Ich war und bin in dem Sinn absolut selbst schuld gewesen. Es war spät-jugendlicher Leichtsinn und eine Rausch-Aktion (war wirklich sehr betrunken ;-)). Bin am Bahnsteig gestolpert (oder wie auch immer) und zwischen Bahnsteig und „abfahrenden“ Zug hinunter gefallen und so zum liegen gekommen, dass mir der Zug über den Arm gerollt ist!
Ins nähre Detail gehe ich jetzt besser nicht ;-)… nur so viel: Nach kurzer Angst, ich werde das jetzt nicht überleben, wuchs in mir die vollste Überzeugung – ICH WERDE DAS ÜBERLEBEN, SO SCHEIDE ICH FIX NICHT AUS DEM LEBEN!!! Im Nachhinein muss/darf ich sagen: genau dieses Wissen, dass ich wieder aufwachen werde, welches ich mir mit 100%iger Überzeugung in den Kopf setzte, gab mir den KICK es zu schaffen.
Als ich dann in der Klinik nach der Not-OP „benebelt“ aufwachte, wusste ich intuitiv sofort, dass was mit meinem Arm geschehen ist, hob meinen Kopf und blickte an die linke Seite! Ließ den Kopf wieder sinken mit den Gedanken „Oh mein Gott, der Arm ist weg!“
In den folgenden 2 Tagen flossen natürlich einige Tränen und man ist schon sehr bedrückt.
Wusste für mich aber dann, dass es mir rein gar nicht weiter hilft, wenn ich mich jetzt in ein Loch sinken lass. Was bringt es mir, wenn ich mir jetzt Selbstvorwürfe mache oder alles nur noch „schwarz“ sehe?! Hätte es mir den linken Arm wieder gebracht – NEIN!
Darum akzeptierte ich es EINFACH, dass ich mein Leben mit einem Arm meistern werde.

Immer wieder wurde mir in den Kopf gesetzt: Das gibt es nicht, du verdrängst das alles nur! Du fällst irgendwann in ein Loch usw.! Fiel ich aber nicht!
Ich sah es als meine persönliche Herausforderung im Leben, somit akzeptierte ich es EINFACH ohne zu jammern und den ewigen Fragen ins Leere „warum, weshalb, wofür“!
Außerdem ist mein Zugang zum Leben, dass nichts im Leben(langfristig gesehen) ohne GRUND passiert! Alles hat seinen Sinn und formt jeden Menschen zu dem was er gerade ist und sein wird!
Auch im sportlichen Sinne: Jede Niederlage/Misserfolg bringt mich mit dem richtigen Zugang/Einstellung nur weiter, um meine Ziele bestmöglich zu erreichen. Läuft etwas nicht in die richtige Richtung, geben mir „Niederlagen“ genialerweise den Input etwas zu ändern um wieder auf die Erfolgspur zu gelangen!
Gehe meinen Weg mit Geduld und Zuversicht; Tag für Tag… HEUTE

Also wie erwähnt – einen Arm weniger zu haben, brachte mich (anfangs) nicht um meine Lebensfreude! Und jammern, dass mit einem Arm jetzt alles „scheiße“ ist, brachte mich auch nicht weiter.
Für was sollte ich mich aufregen, dass ich wenn ich einkaufen gehe nicht alles auf einmal vom Auto in die Wohnung tragen kann?! Besser ist doch einfach 2mal zu gehen, bevor es an mir nagen anfängt, welchen Nachteil ich jetzt alles habe – mit nur einer Hand.
Schon klar, im stressigen Alltag ist es in der Praxis ein „Zeit-Nachteil“ , aber so lange es mich im Kopf nicht belastet (mit dem Wissen, dass ich es sowieso nicht ändern kann) gibt es doch überhaupt keinen Grund sich darüber zu ärgern, oder gar schlecht drauf zu sein, oder ?! :-)

Winter 2011…

Unterdrückt hatte ich aber dann doch etwas, was mir erst 8Jahre nach dem Unfall aufgezeigt wurde bzw. bewusst wurde.

Mein Kindheitstraum, Sport zu meinem Beruf zu machen, war von einen Tag auf den anderen ausgeträumt. Bis zum Unfall war ich am Weg zur Weltspitze als Nordischer Kombinierer (Skispringen & Langlaufen) und dann auf einmal STOPP AUS – mein Traum/Ziel ist vorbei! Verflixt das tut im Inneren weh, also begrabe/verdränge ich es lieber.
Nach 8 Jahren war es aber vorbei mit verdrängen – ich fiel psychisch in eine Leere! Kam aber der Ursache für mein schlechtes Befinden dadurch auf die Schliche: Mein sportlicher Ehrgeiz wurde wieder erweckt! Ich wollte und spürte wieder den Elan mich sportlicher Herausforderungen zu stellen.

Mit dem Rad bin ich immer wieder mit Prothese am Mountainbike herum gefahren. Funktionierte bergauf ja tadellos um mich mit anderen Sportlern zu messen, aber bergab eben nicht so, dass ich zufrieden gewesen wäre.
Hmm – Radfahren wär aber trotzdem cool, … genau ich habe ja noch ein altes Rennrad im Keller, das könnte ja ohne Nachteil gegenüber Anderen tadellos funktionieren.
Somit setzte ich mich mit einer null-acht-fünfzehn Prothese auf das Rennrad und spürte bei der ersten Ausfahrt was ich wollte! … Besser werden, an meine sportliche obere Leistungsgrenze zu gelangen…

Seit 2011 bin ich also regelmäßig im Training und seit 2013 mit individuellen nach Gefühl strukturierten Training mit hohen Zielen vor Augen, zu Gange.

Soviel also etwas detaillierter zum Unfall, wie es dazu kam, wie es danach weiter ging und ich zum Radsport fand. :-)

In diesem Sinne … liebe Grüße
              Patrick